Unsere Bobtails

Im Sommer 1979 holten wir uns unsere erste Bobtailhündin "Betula vom Hortensienhof". Sie war sofort in unsere Collie- und Sheltie-Familie integriert, bewies uns aber sehr rasch, dass ein Bobtail ein Hund von ganz anderem Temperament und Gemüt ist. Betula war ein kräftig pigmentierte, mittelgroße Hündin mit guter Fellveranlagung. Ihr Kopf hatte ideale Proportionen, Bemuskelung und Knochenbau waren ohne Beanstandung. Entsprechend hervorragend fielen ihre Nachzuchtbeurteilung (im Alter von 9 Monaten) und erste Ausstellungsbewertungen aus. Auch im Erwachsenenalter gewann sie noch auf Ausstellungen.
Als wir diese erste Bobtailhündin knapp 1 Jahr hatten, wurde uns ein gleichaltriger Bobtailrüde angeboten, da in "seiner Familie" ein weiteres Baby erwartet wurde, wodurch dort für ihn kein Platz mehr war. Wir nahmen "Bojar von der Schwaneninsel" als Geschenk für unsere Tochter - er wurde ihr treuer Begleiter und Beschützer! Dazu entwickelte er sich besonders prächtig zu einem Kraft- und Fellpaket. Dennoch hatte er damals gegen einige große und bekanntere Rüden auf Schauen nicht die besten Chancen - ihm blieben 2. und 3. Plätze. Entschädigt wurden wir vor allem dadurch, dass er schließlich in den Jahren 1986 bis 1988 bei Nachzuchtauswertungen zum besten Vererber wurde.
Beide "Stammhunde" waren Familienzucht auf "Yean vom Charlottenhof" und "Eucinia von der Lößnitzperle" und den Hollandimportrüden "Reeuwiks Tidely Winks", aus der viele gute Bobtails der frühen Jahre der Zucht in den Zwingern "v.d.Lößnitzperle" und "v.d.Schwarzen Eiche" hervorgebracht wurden.


Unseren ersten Wurf zogen wir mit "Betula" nach dem recht schönen Rüden "Yak von der Lößnitzperle". Es fielen 1/9 wunderbare Welpen. Aber diese große Freude war verfrüht. - In diesem Jahr brach völlig unvorbereitet die erste Epidemie-Welle der bis dahin unbekannten Parvovirose über unsere Heimatregion herein! - Es traf uns ganz hart, denn wir mussten hilflos hinnehmen, dass alle Welpen schwer erkrankten und 2 von ihnen elendig verendeten. In diesen Wochen verzweifelten Ankämpfens gegen diese heimtückische Krankheit waren wir fast so weit, alle weiteren Zuchtvorhaben aufzugeben, um so etwas nicht noch einmal zu durchleben. Die Zeit und die 4 sehr schönen übriggebliebenen Hündinnen jedoch halfen überdieses Tief hinweg.


So kam es, dass wir dann schließlich doch über rund 20 Jahre recht erfolgreich die Bobtailzucht betreiben konnten; wir erreichten dabei 36 Würfe.
"Betula" z.B. brachte in 5 weiteren Würfen, bei denen stets "Bojar" ihr Linienzucht-partner war, 42 Welpen, von denen aber wegen der 6-Welpen-Begrenzung nur 27 aufgezogen werden durften. Für unsere weitere Bobtailzucht sollte sie die einzige echte Stammmutter werden. Mit ihren Töchtern "Allina", "Babsy" und "Hygia" sowie später mit ihrer Enkelin "Marlen", Urenkelin "Vanda" und schließlich Ururenkelin "Xorthie" züchteten wir diese Linie über 20 Jahre durch.
Die im Sommer 1992 geborene "Vanda Blue Girl vom Salzaspring" ("Desmond from West Germany" x "Marlen v. S.") wurde auf Schauen stets mit vorzüglich bewertet, konnte 1993 sogar den Titel "Luxembourger Jugendchampion" erringen.


Zu "Bojar" bleibt festzuhalten, dass nach ihm 21 Würfe fielen mit fast ausschließlich sehr typvollem Nachwuchs. 4 seiner Söhne, "Jallus vom Hortensienhof", "Herkoles vom Hortensienhof", "Lump aus dem Hundewald" und "Flash vom Salzaspring" konnten ebenfalls angekört werden und sich als Deckrüden bewähren.


Im Frühjahr des Wendejahres ´89 bot uns die Eigentümerin die sehr gut in unsere Linie passende Hündin "Franziska von der Schwaneninsel" wegen familiärer Probleme zunächst für einen Wurf an. Der Nutzungsvertrag ermöglichte uns, noch im Herbst 1989 diesen Wurf zu ziehen. Nach dem sibergrau-weißen "Dave vom Auenblick" fielen 7/3 Welpen, kräftig und schön. Noch bevor dieser Wurf kam, informierte uns die Tochter der Eigentümerin, dass diese unmittelbar nach der Übergabe der Hündin an uns die DDR verlassen habe und bot uns in deren Auftrag den Verkauf an - so wurde "Franzi" unsere Hündin und brachte uns noch 3 weitere Würfe bis 1992. Die erste Eigentümerin blieb mit uns in guter Verbindung und war über alles informiert. Nachdem sie in ihrer neuen Heimat richtig "Fuß gefasst" hatte, wollte sie dort ihre Liebe zum Bobtail wieder Wirklichkeit werden lassen. Sie rief uns in diesem Jahr an und bestellte eine Welpe von "Franzi". Als sie diese kleine Hündin abholte, gaben wir ihr dazu schweren Herzens, aber mit gutem Gewissen die fast 7-jährige Mutterhündin wieder zurück.


Mit unserem Umzug in unser neues Heim haben wir unsere Bobtailzucht eingestellt - ein nicht gerade leichter, aber wohl richtiger Entschluss. Als letzte Bindung zur "Bobtail-Szene" bleibt uns der 1998 geworfene, HD- und Augenkrankheiten-freie, zur Zucht empfohlene Rüde
"Harvey Blue Boy vom Salzaspring".
So kommt es, dass wir z.B. auf Schauen auch heute noch oft am Rande des Bobtail-Ringes zu finden sind, weil uns diese liebenswerten, stolzen Hunde noch immer fesseln und begeistern!


© B. Wagner / 2019